Ratgeber · Auto
Unfall mit dem Elektroauto: Was du tun solltest – und wer die Batterieprüfung zahlt
Nach einem Unfall mit dem E-Auto ist die Unsicherheit groß: Brennt die Batterie? Darf ich weiterfahren? Wer prüft das? Die wichtigsten Antworten – und wo meine Arbeit aufhört.
Kfz-Sachverständiger (TÜV) · Zweiradmechanikermeister
Aktualisiert am 4 Min. Lesezeit
Das Wichtigste in Kürze
- Sichere die Unfallstelle ab wie bei jedem Unfall und sag beim Notruf 112, dass ein Elektroauto beteiligt ist. Orange Hochvoltkabel nicht berühren.
- Die Batterie wird bei einem Unfall in der Regel automatisch vom übrigen Hochvolt-System getrennt – Erste Hilfe ist ohne hohes Risiko möglich (ADAC).
- Ob Batterie und Hochvolt-System beschädigt sind, beurteilt ein Fachbetrieb nach Herstellervorgaben. Ich erstelle das Unfallgutachten, die Hochvolt-Prüfung macht der Fachbetrieb.
- Eine notwendige Prüfung gehört bei einem unverschuldeten Unfall zum Schaden. Gerichte prüfen aber genau, ob sie nötig war.
- Für ein repariertes E-Auto hat das LG Nürnberg-Fürth eine höhere Wertminderung zugesprochen, weil Käufer misstrauisch sind – eine Einzelentscheidung.
Inhalt
An der Unfallstelle
- Absichern: Warnblinker, Warnweste, Warndreieck – wie bei jedem Unfall.
- Notruf 112: Sag ausdrücklich, dass ein Elektro- oder Hybridauto beteiligt ist.
- Abstand bei Warnzeichen: Raucht, zischt oder riecht etwas am Fahrzeug, geh auf Abstand und warte auf die Feuerwehr.
- Orange Kabel nicht anfassen: Hochvoltleitungen sind orange markiert.
- Rettungskarte: Sie gehört hinter die Sonnenblende auf der Fahrerseite. Dort schaut die Feuerwehr zuerst nach, wo Batterie und Leitungen liegen.
Gut zu wissen: Nach einem Unfall wird die Batterie in der Regel automatisch von den übrigen Hochvolt-Bauteilen getrennt. Erste Hilfe ist deshalb ohne hohes Risiko möglich. Elektroautos brennen nach Statistiken, auf die sich der ADAC beruft, auch nicht häufiger als Benziner oder Diesel. Brennt aber die Batterie, braucht die Feuerwehr deutlich mehr Wasser zum Kühlen – und ein beschädigtes Fahrzeug kann sich später neu entzünden.
Wer prüft Batterie und Hochvolt-System?
Ob die Antriebsbatterie oder das Hochvolt-System etwas abbekommen haben, lässt sich von außen nicht sicher sagen. Das beurteilt ein Fachbetrieb nach den Vorgaben des Herstellers, meist die Markenwerkstatt. Für Arbeiten an Hochvolt-Fahrzeugen braucht das Personal eine eigene Qualifikation (DGUV Information 209-093).
Ich prüfe Batterie und Hochvolt-System nicht selbst. Meine Aufgabe ist der Unfallschaden: Karosserie, Anbauteile, Sensoren und Kalibrierung, Wertminderung und Nutzungsausfall. Gibt es Hinweise auf einen Schaden an Batterie oder Hochvolt-System, sage ich dir, dass ein Fachbetrieb prüfen muss. Mehr dazu auf meiner Seite zu Unfallgutachten für E-Autos und Hybride.
Ein Fachbetrieb sollte sich das Auto ansehen, wenn …
- der Unterboden aufgesetzt hat oder der Aufprall im Bereich von Batterie oder Ladeanschluss war,
- eine Warnmeldung im Display erscheint oder das Auto nicht mehr startet,
- Airbags ausgelöst haben.
Wer zahlt die Prüfung?
Bei einem unverschuldeten Unfall muss die Versicherung des Unfallgegners die Kosten ersetzen, die zur Feststellung und Behebung des Schadens notwendig sind (§ 249 BGB). Eine Batterieprüfung, die wegen des Unfalls nötig ist, gehört dazu.
Gerichte schauen aber genau hin, ob sie wirklich nötig war. Das LG Düsseldorf hat 2025 bei einem Tesla 900 € für eine „Batteriesicherheitsprüfung“ durch den Abschleppdienst nicht zugesprochen – nach Ansicht des Gerichtssachverständigen hätten eine Sichtprüfung und die Überwachung der Temperatur gereicht (8 O 278/23).
Wertminderung beim E-Auto
Viele Käufer sind bei reparierten Elektroautos besonders vorsichtig, weil sie Folgeschäden an der Batterie fürchten. Das LG Nürnberg-Fürth hat deshalb bei einem VW ID.4 die Wertminderung um rund die Hälfte höher angesetzt – 3.750 € statt 2.500 € (8 O 4990/23). Das ist eine Einzelentscheidung; die Berufung war zuletzt noch anhängig.
In meinen veröffentlichten Fällen lag die Wertminderung beim Tesla Model Y bei 437 € und beim Toyota C-HR Hybrid bei 205 €.
Abschleppen und Standzeit
Abschleppdienste und Werkstätten brauchen für Hochvolt-Fahrzeuge geschultes Personal. Manchmal wird ein beschädigtes E-Auto vorsorglich gesondert abgestellt, falls sich die Batterie erwärmt. Wie lange das nötig ist, richtet sich nach dem Zustand des Fahrzeugs und den Herstellervorgaben – unnötig lange Standzeiten muss die Versicherung nicht bezahlen.


